19. Januar 2010
Wenn das Stressfass überläuft - Praktische Interventionsprinzipien erleichtern die Begleitung von Menschen in akuten Krisen
In ihrem täglichen Wirken sehen sich Mediziner und Pflegekräfte vor die Aufgabe gestellt, Patienten oder ihren Angehörigen in akuten oder chronischen Belastungssituationen beizustehen. Damit sind Krankenhausmitarbeiter in ihrem beruflichen Alltag zusätzlich gefordert. Mehr Sicherheit vermittelte Diplom-Psychologe Simon Finkeldei den 50 Teilnehmern seines Vortrages "Was brauchen Menschen in akuten Krisen".
Nach einer theoretischen Einführung in kognitionspsychologische und neurophysiologische Ansätze, stellte Diplom-Psychologe Simon Finkeldei praktische Interventionsprinzipien vor, die sich bei der Begleitung von Menschen in Belastungssituationen bewährt haben. Zentraler Ansatzpunkt der Frühintervention ist hierbei stets die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse des Betroffenen.
Gilt es doch zu berücksichtigen, dass ein objektiv belastendes Ereignis nicht zwangsläufig auch eine subjektiv belastende Stressreaktion oder Traumatisierung erzeugt. Entscheidend ist vielmehr, wie der Einzelne dieses aufgrund von Vorerfahrungen, Einstellungen oder (normativen) Wertvorstellungen bewertet. Auch individuelle Schutzfaktoren können zwischen objektiver Belastung und subjektiver Auswirkung vermitteln.
"Oft bringt eine Vielzahl von Einflussfaktoren das 'Stressfass' des Betroffenen zum Überlaufen", weiß Finkeldei. Durch spürbares Dasein, Zuhören und Nachfragen könne den Betroffenen eine erste Hilfestellung gegeben werden. Bewährt habe sich auch das "Entschleunigen" der Situation sowie die gezielte Gabe nützlicher Informationen. Letzteres helfe dem Betroffenen dabei, das Geschehene zu verstehen und wieder mehr subjektive Kontrolle über die belastende Situation zu erleben. Weiterhin könne bei dem Betroffenen das Gefühl der Hilflosigkeit reduziert werden, indem er darin unterstützt werde, seine eigene Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen.
Der Vortrag fand bei den Zuhörern großen Anklang. So nutzten sie im Anschluss an den Vortrag zahlreich die Möglichkeit, persönliche Fragen zu diesem Thema zu stellen.
Kontakt:
Dr. med. Rüdiger Schaar
Leiter Organisationsentwicklung
Tel.: 089 / 17 95 - 17 10
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